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Interview with Carsten Steiner (02.03.2018)


13 Jahre nach dem letzten Interview mit T71 stand uns Carsten wieder Rede und Antwort. Viel Spaß beim Lesen!

Wie hast du deine Frau kennengelernt?

Im Luxemburger Nachtleben :) nach Kugis letztem Nationalmannschaftsspiel - somit schließt sich gerade mit Toms Ende seiner tollen Nationalmannschaftkarriere wieder ein Kreis :)

Du hast an der Seitenlinie oft soviel investiert als deine Spieler. Hattest du noch nie Angst dass dein Kopf "explodieren" könnte?
Wenn er für unsere gemeinsamen Ziele explodiert wäre - kein Problem :)

Seit deiner Zeit bei T71, wie bist du dem Basketball treu geblieben?
Ich verfolge grob die ein oder andere Entwicklung des Basketballs generell, der Wettbewerbe (3-3 olympisch...), manche Programme und Clubs und manche Spieler - mit einigen Leuten bin ich auch immer wieder mal im Austausch - aber meine persönlichen Schwerpunkte liegen heute woanders.

Vermisst du es Basketballtrainer zu sein? Falls ja, was vermisst du am meisten?
Nein - gar nicht - ich glaube, alles hat seine Zeit - wenn ich was anpacke, dann geb ich 100% - und wenn bestimmte Abschnitte abgeschlossen sind, schau ich noch einmal intensiv zurück, um die Eindrücke zu behalten und daraus zu lernen. Aber dann geht's wieder mit 100% auf die neue Sache.

Mir deiner guten Arbeit als Coach hattest du großen Anteil an den Titeln die die Herrenmannschaft zwischen 2009 und 2016 geholt hat. Findest du es nicht schade dass du selbst keinen dieser Titel als Trainer mitfeiern konntest?
Auch die Ladies waren ja dann sehr erfolgreich und haben Titel gesammelt. Als Basketballcoach kennt man seinen Anteil an Erfolgen und Misserfolgen ganz gut. Ich bin eher so ein "Entwicklungstrainer" für das Etablieren junger Talente im Erwachsenenbereich gewesen - und das war auch die Mission des T71 für die ich gekommen bin. Für das andere war ich zu ungeduldig und auch zu wenig Taktikfuchs. Mir hat es immer immens Spaß gemacht, Programmen und Spielern dabei zu helfen, sich auf den Weg zu machen und das Optimum rauszuholen - auch über die meist selbstgesetzten Grenzen hinweg. Sobald ich da die Entwicklung sehen konnte, wollte ich schon wieder weiter... außerdem durfte ich ja selber direkt zu Beginn einen Espoirs-Titel feiern, zu dem ich nichts beigetragen habe, sondern André's super Arbeit zu Ende führen durfte.

Mit welchen Spielern und andern Leuten von T71 hast du noch regelmäßigen Kontakt?
Mehr oder weniger regelmäßig mit Jemp, Marcel, Frank und Tom

Was sind die witzigsten Anekdoten die du als Coach von T71 (Damen und Herren) erlebt hast?
Oh - da gibt es viele :) Ankunft in Norb's Haus, mit Jos Kiefer, Jemp, Zsusza und JP in Belgien im Trainingslager, Trainingsplanung mit JP, mit John im Elsass und in Wien, Kartenspielen mit Gisèle :) mancher Ami... philosophieren mit JoJo... die Kaffeesitzungen bei Jeis und Kollegen...

Wenn du noch einmal Coach sein könntest/würdest, was würdest du anders machen als zu "deiner" Zeit?
Nicht sehr viel - ich hatte schon sehr das Gefühl, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein - natürlich ist man im Nachhinein immer schlauer - und im Nachhinein würde ich im dritten Jahr bei nur einem Ami nicht schon auf einen reinen Innenspieler setzen - das hab ich damals echt falsch eingeschätzt

Welches waren deine schönsten Momente als Coach von T71?
Oh - auch das sind viele - die Weiterentwicklung des Clubs - die Intensivierung und Qualitätssteigerung im Jugendbereich (Training und Trainer) - die Professionalisierung im Erwachsenenbereich (JP Athletik, Trainingsumfang usw.) - der leidenschaftliche Austausch mit dem Comité - die Erfolge der Cadettes/Cadets, Espoir(e)s, Finals Damen und Herren - vor allem aber die persönlichen Entwicklungen einzelner Spielerinnen und Spieler (nicht nur basketballerisch)

Hat die Zeit bei T71 dein Leben in irgendeiner Weise verändert?
Ja hat sie insofern, als dass sie mich sehr darin bestärkt hat, dass es sehr viel Positives bewirken kann, wenn man mit Partnern, die ebenso leidenschaftlich Verantwortung übernehmen, ganzheitlich und konsequent an Dinge herangeht - eine tolle Zeit, für die ich sehr dankbar bin und deren Erlebnisse und Erfahrungen ich heute noch sehr schätze.

Dann mal 'ne Frage ganz speziell von einem deiner Ex-Spieler... Wen musstest du am öftesten "beschimpfen" und warum? :)
"Wie oft" wär hier gar nicht mein Maßstab, sondern mein jeweiliges Motiv dahinter (rauskitzeln weiterer Potenziale - egal in welcher Richtung) - ich kann mich sehr gut erinnern, einmal aus einem anderen Motiv heraus richtig sauer gewesen zu sein, weil ich den intensiven Eindruck hatte, dass jemand das immense Privileg, Basketball beim T71 spielen zu dürfen (und in diesem Fall sogar seinen Lebensunterhalt damit verdienen zu dürfen) null zu schätzen wusste und sehr schludrig damit umgegangen ist, während die Teammates all ihre Energie und Freizeit für den gemeinsamen Erfolg reingehauen haben - das hat mich wirklich auf die Palme gebracht und da kann ich verbal richtig rabiat werden.

Es sind jetzt über 10 Jahre her dass du Coach bei T71 warst. Wie würdest du dir wünschen bei Fans, Verein und Spieler in Erinnerung geblieben zu sein? (menschlich, sowie sportlicher Erfolg)
Der positiv Verrückte :)

Verfolgst du noch Spiele der Total League? Falls ja, wie hat sich das Spiel in den 10 letzten Jahren verändert?
Das Spiel ist fragmentierter und individueller als früher (auch bedingt durch die weiteren Regeländerungen) - als "Team-Ästhet" und Freund intellektueller Herausforderungen find ich das bedingt spannend - andererseits hat sich die Athletik und die technische Variabilität sehr weiterentwickelt, was wiederum wirklich gut anzuschauen ist.

2 statt 1 "Amerikaner": hat sich deiner Meinung nach das Niveau in der Total League dadurch verbessert? Was sind die Konsequenzen für die Clubs? War es die richtige Entscheidung?
Bei den Männern hat es meiner Ansicht nach keinen so großen Unterschied gemacht wie bei den Frauen - das liegt an den unterschiedlichen Spielerreservoirs - wenn du ein größeres Reservoir hast, sind genügend "Locals" dabei, die sich durchsetzen - bei einem kleineren Reservoir werden die individuellen Unterschiede dann zum Teil schon immens - und den entscheidenden Sprung bringt nicht das Einbinden von Profis, sondern die Qualität und Quantität der Ausbildung der eigenen Spieler/innen -ich halte es für viel sinnvoller, statt in Profigehälter zu investieren, das Geld für die Ausbildung einzusetzen - in dieser Hinsicht ist das Interregio-Projekt vom T71 ein absolutes Highlight.

In den letzten Jahren haben es einige Luxemburger Spieler ins Ausland geschafft (Tom, Frank, Samy Picard, Alex Laurent, Thomas Grün). Müssten mehr Spieler diesen Schritt wagen? Warum sind es nicht mehr? Welche Voraussetzungen braucht es? Und was hat es den Spielern gebracht?
Mir waren die (meisten) Jungs nicht lang genug draußen - manche Lady hat da die Nase vorn... sich durchzubeißen und wirklich zu etablieren ist immer noch mal eine andere Nummer - die Erfahrungen sind unbezahlbar - und wenn du nur mit der Erkenntnis zurückkommst, wie gut du es zuhause hast - braucht man halt Mumm in den Knochen.

Gibt es irgendetwas was du am Basketball in Luxemburg verändern würdest? Spielmodus, Clubstrukturen, etc.
Ich würde liebend gern mal wieder einen Luxemburger Club im Europapokal sehen.

Danke Carsten dass du dir Zeit für uns genommen hast!
Vielen Dank und herzliche Grüße an alle!