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Interview vum Bob Hemmen (Wort) mam Thierry Kremer (06.02.2019)


T71 Düdelingen ist in dieser Saison in der Frauenmeisterschaft das Maß aller Dinge. Im Interview spricht Coach Thierry Kremer über die Siegesserie, den Zeitaufwand und seine Zukunft. Thierry Kremer trainiert das formstärkste Team des Landes. Die einzige Niederlage der laufenden Saison kassierten die T71-Frauen ausgerechnet im Pokalachtelfinale gegen Gréngewald. Vor dem Start der Titelgruppe am Samstag (18.30 Uhr in Stadtbredimus gegen die Musel Pikes) sind die Düdelingerinnen noch ungeschlagen. Der 32-jährige Kremer übernahm den Trainerposten 2015 und hat einen großen Anteil an der positiven Entwicklung des Teams. Nachdem er im vergangenen Jahr noch ans Aufhören dachte, ist der Coach nun wieder voll motiviert – auch wegen seiner siegeshungrigen Mannschaft.


Thierry Kremer, wie groß ist die Angst vor der ersten Niederlage in der Meisterschaft?

Der Druck kommt von außen. Wir selbst wissen, dass wir uns noch verbessern können. Es gab in dieser Saison bereits einige Spiele, in denen wir uns am Ende glücklich schätzen konnten, dass wir sie nicht verloren haben. Aber das Team hat einen unbändigen Willen, das zeichnet uns in dieser Saison aus. Irgendwann verlieren wir. Die Frage ist, wie die Mannschaft darauf reagiert.

Im Vergleich zur vergangenen Saison haben Sie sich eigentlich nicht verstärkt. Warum ist Ihre Mannschaft trotzdem besser geworden?

Die neuen Profispielerinnen (Lindstrom und Winton) haben einen großen Einfluss und passen perfekt ins Team. Da hatten wir einfach das nötige Glück auf unserer Seite. Zudem schafften wir es in der vergangenen Saison bis ins Meisterschaftsfinale, sodass die Spielerinnen auf höchstem Niveau lernen konnten. Wenn es darum geht, den Zusammenhalt eines Teams zu beschreiben, werden oft Floskeln benutzt. Diese Mannschaft ist aber wirklich schon lange zusammen und will immer besser werden.

Erkannten Sie diese Perspektive, als Sie 2015 nach Düdelingen kamen?

Ich wusste, dass es viele talentierte und lernwillige Spielerinnen im Team gab. Zudem konnte ich immer in Ruhe arbeiten, weil von Anfang an klar war, dass wir langfristig etwas aufbauen wollten. Die Mannschaft musste erst Erfahrungen sammeln.

Was haben Sie seit Ihrer Ankunft als Coach gelernt?

Zu Beginn waren noch ältere Spielerinnen dabei, der Übergang fiel uns dann nicht ganz so einfach. Mir wurde am Anfang gesagt, ich wäre zu nett. Doch das ist mein Charakter, den ich nicht verändern kann und auch nicht möchte. Ich bin konsequenter geworden und kann streng sein, allerdings will ich auch, dass die Spielerinnen mir vertrauen.

Müssen Sie dem Team in Ihrer vierten Saison noch oft sagen, welche Art Basketball Sie sehen wollen?

Eigentlich kaum noch. Die Spielerinnen wissen, dass Basketball für mich eine Teamsportart ist und ich keine Profispielerinnen haben will, die alles alleine machen, während die anderen nur zuschauen. Jeder hat verinnerlicht, dass die Verantwortung verteilt wird. Am Anfang haben wir vielleicht etwas zu wild und zu schnell gespielt. Das läuft jetzt besser. Zudem haben wir eine knallharte Defensive, die der Hauptgrund dafür ist, dass wir Tabellenerster sind.

Wie zeitintensiv ist der Trainerjob für Sie?

Wir trainieren dienstags, mittwochs und freitags. Samstagmorgens sind dann noch eine Videoeinheit und ein Wurftraining eingeplant. Hinzu kommen die Begegnungen der Cadettes und des Frauenteams. Auch das Schneiden der Videos und die Vorbereitung der Trainingseinheiten nimmt viel Zeit in Anspruch. Ich bin nicht der Trainertyp, der sich erst im Auto überlegt, was im Training gemacht werden soll. Vergangene Saison war ich nach der Finalserie komplett platt und habe dringend Urlaub benötigt.

Wird Ihnen das manchmal zu viel?

Vergangene Saison war ich nach der Finalserie komplett platt und habe dringend Urlaub benötigt. Mir ging es danach wieder besser, doch ich hatte schon mit mir selbst vereinbart, in meine letzte Saison als T71-Coach zu gehen. Daran zweifle ich jetzt. Der Spagat zwischen meinem eigentlichen Beruf (Lehrer), Familie und dem Trainerjob ist nicht einfach, doch ich habe Spaß. Wie es nach dieser Saison weitergeht, weiß ich allerdings noch nicht. Das wird sich erst entscheiden.

Reizt Sie eine andere Herausforderung?

Ich bin 32 Jahre alt und zähle daher immer noch zu den jungen Trainern. Ich habe immer gesagt, dass ich mir vorstellen kann, ein Männerteam zu trainieren, doch ich schaue nicht gerne zu weit nach vorne.

In der Total League der Männer gibt es derzeit keinen luxemburgischen Coach. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Es gibt Trainer, die dafür infrage kommen, aber aus irgendeinem Grund glauben viele, ausländische Coaches seien zwingend besser. Ich denke aber, dass luxemburgische Trainer oft mehr mit dem Herz dabei sind, sie aber nicht wirklich eine Chance bekommen. Ken Diederich hat jahrelang bewiesen, dass ein Luxemburger das Zeug dazu hat und ich jetzt wohl auch. Ich würde mir wünschen, dass mehr Vereine den Schritt zu einem einheimischen Trainer wagen würden. Ich will meinen Job hier anständig machen und so zeigen, was ich drauf habe.

Haben Sie denn nie eine Anfrage eines anderen Clubs erhalten?

Um ein Männerteam zu trainieren? Ehrlich gesagt, Nein, aber ich habe auch nie zu verstehen gegeben, dass ich bei T71 unzufrieden wäre. Ich will meinen Job hier anständig machen und so zeigen, was ich drauf habe.

Sie wünschen sich, dass mehr Zuschauer Ihr Team sehen würden. Haben Sie das Gefühl, dass die Zahlen bei den Frauen sinken?

Ich bin mit der aktuellen Situation unzufrieden. Es werden zwar nicht weniger Zuschauer, aber auch nicht mehr. Wir haben jetzt 18 Spiele gewonnen und ich weiß nicht, was wir mehr zeigen sollten. Wir spielen attraktiven Basketball mit jungen Mädchen aus dem Dorf, trotzdem sind kaum Leute in der Halle. Ich weiß nicht mehr weiter. Mir ist bewusst, dass nie so viele Zuschauer kommen werden wie bei den Männern, aber für das herrschende Desinteresse habe ich kein Verständnis. Das betrifft nicht nur T71, sondern alle Clubs.